Das wilde Hühnernest

Es ist ganz ungerecht, dass unser Vermieter so viele Köstlichkeiten auf seinem Hof herstellen und essen darf: Sahne, Butter, Quark, Brot, Fleisch, Gemüse, Obst, Honig … Bei uns Flüchtlingen steht fast jeden Tag nur Brennsuppe mit Haferflocken auf dem Tisch.

Heute habe ich auf einer Wiese ein „wildes Hühnernest“ entdeckt, in dem ganz viele Eier liegen. Außer mir weiß davon niemand. Ich erzähle nichts davon, es bleibt mein Geheimnis. Meine Mutter würde mich zwingen, die Eier unserem Vermieter zu geben. Wir dürften die Eier keinesfalls behalten – aus Sicht meiner strengen Mutter. Ich sehe das ganz anders und entscheide so: Da wir kein einziges Ei essen dürfen, soll unser Vermieter sie auch nicht bekommen.

Ich reiße drei große Grasbüschel heraus und bedecke damit das „wilde Hühnernest“.

Es ist nun einfach nicht mehr da!

© Text: Brigitte Fritz 2019

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